Steinhummel & dein Balkon
Zweithäufigste Hummel Deutschlands. Schwarzer Körper, orangerotes Hinterleibsende. Königin fliegt ab März, nistet unter Steinen und in Mauerritzen.

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März – Oktober
- Größe
- 12–22 mm (Königin am größten)
- Nistplatz
- Unter Steinen, in Mauerritzen, alten Mäusebauten, gelegentlich Hummelkästen
- Schutzstatus
- Ungefährdet
- Lavendel und Natternkopf im Topf
- Klee in der Wiesenmischung dulden
- Mauerritzen und Steinhaufen nicht verschließen
- Phacelia als Lückenfüller zwischen Hauptblühten
- Krokus und Schneeglöckchen für die Königin im März
| Gruppe | Hummeln |
|---|---|
| Größe | 12–22 mm (Königin am größten) |
| Aktiv | März – Oktober |
| Nistplatz | Unter Steinen, in Mauerritzen, alten Mäusebauten, gelegentlich Hummelkästen |
| Schutzstatus | Ungefährdet |
| Was ihr hilft | Lavendel und Natternkopf im TopfKlee in der Wiesenmischung duldenMauerritzen und Steinhaufen nicht verschließenPhacelia als Lückenfüller zwischen HauptblühtenKrokus und Schneeglöckchen für die Königin im März |
Die schwarze Hummel mit dem roten Hinterleib
Die Steinhummel (Bombus lapidarius) ist nach der Erdhummel die häufigste Hummel Deutschlands. Dieser Tierführer-Eintrag erklärt, woran du sie erkennst, wie ihr Volk übers Jahr tickt und welche Topfpflanzen sie zuverlässig auf den Balkon ziehen. Königinnen fliegen ab März, Kolonien werden bis 300 Tiere groß, und das Volk erreicht seinen Höhepunkt erst spät im Sommer — was die Pflanzplanung deutlich beeinflusst.
Hummeln leben in einjährigen Völkern — Königinnen werden ein Jahr alt, Arbeiterinnen 4–8 Wochen. Wie der Jahreszyklus genau abläuft, steht im Hub Hummel-Lebenszyklus.
Wer auf dem Balkon eine schwarze Hummel mit orangerotem Ende sieht, sieht meistens die Steinhummel. Sie ist robust, anpassungsfähig und nistet bevorzugt oberirdisch — was sie zur einzigen Hummel macht, die in einer Mauerritze hinter dem Pflanzkübel überhaupt eine Chance hat.
Steckbrief
Die Steinhummel ist kontrastreich gefärbt und deshalb gut zu bestimmen:
- Körper: tiefschwarz behaart, samtartig matt
- Hinterleibsende: leuchtend orangerot bis ziegelrot — bei der Königin besonders ausgeprägt
- Königin: 20–22 mm, deutlich größer als alle anderen Tiere im Volk
- Arbeiterinnen: 12–16 mm, gleiche Färbung, nur kleiner
- Drohnen (Männchen): 14–16 mm, mit zusätzlicher gelber Gesichtsbehaarung und gelbem Halsband — auffällig anders als Weibchen
- Flug: kraftvoll, hörbar tief brummend, langsamer und gerader als bei Honigbienen
Verwechslungen passieren am ehesten mit der Erdhummel (weiße Schwanzspitze, gelbe Bänder) und der Wiesenhummel (kleiner, mit gelbem Brustband und rotem Ende). Zur Bestimmung aller deutschen Hummelarten gilt Wildbienen — Die anderen Bienen von Paul Westrich als Standardwerk.
Lebenszyklus — vom Krokus bis zur Herbstkönigin
Die Steinhummel folgt dem klassischen Hummeljahr, aber mit einer Verspätung im Volksaufbau. Während Erdhummel-Völker oft schon im Juli den Höhepunkt erreichen, sind Steinhummel-Kolonien typische Spätentwickler — Jungköniginnen werden erst August und September geboren.
| Monat | Ereignis |
|---|---|
| März | Königin verlässt Winterquartier, sucht erste Nektarquellen (Krokus, Schneeglöckchen, Weide) |
| März–April | Suche nach Nistplatz (Mauerspalt, Steinhaufen, altes Mäusenest) |
| April–Mai | Königin legt erste Eier, zieht erste Arbeiterinnen allein auf |
| Mai–Juli | Volk wächst, Arbeiterinnen übernehmen Sammelarbeit |
| Juli–August | Volk auf maximaler Größe (150–300 Tiere) |
| August–September | Volk produziert Jungköniginnen und Drohnen |
| September–Oktober | Paarung, begattete Jungköniginnen suchen Winterquartier |
| Oktober–November | Altes Volk stirbt vollständig — nur Jungköniginnen überleben |
| November–März | Jungköniginnen in Winterstarre, oberflächennah unter Steinen, Holz oder Laub |
Praktische Folge für den Balkon: Wer Steinhummeln fördern will, muss vor allem August und September abdecken — die Phase, in der Jungköniginnen Fettreserven aufbauen. Ein Balkon, der nur im Mai und Juni blüht, hilft Erdhummeln gut, Steinhummeln aber kaum.
Nistplatz — oberirdisch, nicht im Erdloch
Die Steinhummel ist die oberirdisch nistende Hummel schlechthin. Im Unterschied zur Erdhummel, die tief im Boden gräbt, sucht die Steinhummelkönigin Hohlräume an oder knapp unter der Oberfläche:
- Unter Natursteinen und Steinplatten
- In Mauerritzen, hinter losen Verblendungen, in Trockenmauern
- Alte Mäusebauten oberflächennah unter Wurzeltellern
- Hohlräume hinter Holzverkleidungen, unter Holzstapeln
- Vereinzelt Hummelkästen, wenn diese eingestreute Mooswolle und einen oberflächennahen Eingang bieten
Auf dem Balkon heißt das: Eine Mauerritze hinter einem schweren Pflanzkübel, eine Schicht lose aufgesetzte Klinkersteine in einer ungenutzten Ecke, eine alte Holzkiste mit Moosfüllung — alles potenziell brauchbar. Nestbau auf Balkonen in der 1.–3. Etage ist dokumentiert; höher hinauf wird es deutlich seltener.
Wer einen Hummelkasten ausprobieren möchte: halbschattig stellen, Einflugloch Richtung Süd-Ost, vor Regen geschützt. Belegungsquoten liegen erfahrungsgemäß bei 10–20 % — eine erfolgreiche Belegung ist keine Garantie, aber durchaus möglich.
Trachtpflanzen — was die Steinhummel zuverlässig anzieht
Die Steinhummel hat einen mittellangen Rüssel (rund 8–10 mm) und ist Generalistin — kein strenger Spezialist auf eine Blütenform. Trotzdem gibt es klare Vorlieben:
Frühjahr (März–Mai):
- Krokus und Schneeglöckchen — die ersten Quellen für die Königin
- Weidenkätzchen (Salix spp.) — Pollen für die erste Brut
- Taubnessel (Lamium spp.) — heimisch, lange Blüte
Sommer (Juni–August):
- Lavendel (Lavandula angustifolia) — zuverlässig stark frequentiert, hitzeresistent
- Natternkopf (Echium vulgare) — eine der ergiebigsten heimischen Nektarquellen
- Klee (Trifolium repens, T. pratense) — wenn in der Wiesenmischung im Kübel
- Salbei (Salvia officinalis, S. nemorosa) — verlängerter Sommerflor
- Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) — heimisch, lang blühend
Spätsommer und Herbst (August–Oktober):
- Distel (Cirsium, Carduus) — Jungköniginnen-Nahrung
- Phacelia — als Spätsaat noch im Juli ausbringen
- Herbst-Astern (Symphyotrichum) — Oktober-Nektar für Jungköniginnen
- Efeu (Hedera helix) — letzte Nektarquelle vor dem Winterquartier
Die Kombination Lavendel + Natternkopf + Phacelia + Klee deckt auf einem mittelgroßen Balkon den Hauptbedarf vom Mai bis Oktober ab — ergänzt um Krokus im März und Astern im Oktober.
Bestand und Schutz
Die Steinhummel gilt deutschlandweit als ungefährdet und ist nach der Erdhummel die zweithäufigste Hummelart. Sie ist anpassungsfähig, kommt mit Stadtklima zurecht und nutzt auch Balkonquartiere — solange sie pestizidfreie Nahrung findet.
Empfindlich reagiert sie auf zwei Faktoren:
- Pestizide. Neonikotinoide und Pyrethroide aus benachbarten Balkonen wirken auch noch nach Tagen über Pollen weiter. Wer Steinhummeln fördert, verzichtet konsequent.
- Trockenheit. Heiße, dauertrockene Balkone ohne Wasserstelle werden seltener angeflogen. Eine flache Schale mit Steinen als Landefläche, regelmäßig nachgefüllt, hilft messbar.
Auf Klimawandel reagiert die Steinhummel gemischt — sie profitiert von milden Wintern, leidet aber unter heißen Hitzephasen über 35 °C, in denen die Sammelaktivität deutlich einbricht.
Wie der Balkon hilft
Ein einzelner Balkon kann keine Steinhummel-Population tragen — das schafft erst ein Netzwerk aus Balkonen, Vorgärten und brachen Flächen im Viertel. Was er aber zuverlässig leisten kann:
- Tankstelle. Steinhummeln fliegen 1–2 km Radius. Ein Balkon mit Lavendel, Natternkopf und Klee ist ein verlässlicher Sammelpunkt im Quartier.
- Brücke zwischen Hauptblühten. Phacelia und Acker-Witwenblume schließen die Lücke zwischen Lavendel-Hochsommer und Astern-Herbst.
- Spätflor für Jungköniginnen. August und September sind die kritischsten Wochen. Wer hier blüht, beeinflusst direkt, wie viele Königinnen im Frühjahr ein neues Volk gründen können.
- Niststruktur. Eine ungenutzte Ecke mit losen Steinen oder ein Hummelkasten erhöht die Chance auf eine Direktansiedlung — selten, aber dokumentiert.
- Pestizidfreiheit. Allein der konsequente Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfung auf dem Balkon macht ihn zur Refugium-Fläche.
Verwechslungsarten
Drei Hummeln können auf den ersten Blick ähnlich wirken:
- Steinhummel (B. lapidarius): ganz schwarz, leuchtend orangerotes Hinterleibsende. Königin sehr dunkel.
- Erdhummel (B. terrestris): schwarz mit gelben Bändern auf Thorax und Hinterleib, weiße Schwanzspitze. Insgesamt heller wirkend.
- Wiesenhummel (B. pratorum): kleiner (10–17 mm), mit gelbem Brustband und rotem Hinterleibsende. Schlanker, schneller im Flug.
Wer einen orangeroten Schwanz sieht: Steinhummel oder Wiesenhummel. Wer einen weißen Schwanz sieht: Erdhummel oder eine ihrer Verwandten (Helle Erdhummel, Dunkle Erdhummel — kaum unterscheidbar im Feld).
TL;DR
Die Steinhummel ist schwarz mit orangerotem Hinterleib, zweithäufigste Hummel in Deutschland, und nistet oberflächennah unter Steinen oder in Mauerritzen. Das Volk entwickelt sich spät — Jungköniginnen brauchen August und September Nektar. Wer Lavendel, Natternkopf, Klee, Phacelia und Herbst-Astern pflanzt und pestizidfrei arbeitet, deckt den Bedarf zuverlässig ab. Direktansiedlung am Balkon ist selten, aber in unteren Etagen mit Stein- oder Mauerstruktur möglich.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich die Steinhummel sicher?
Bombus lapidarius ist tiefschwarz behaart und hat ein leuchtend orangerotes Hinterleibsende. Königinnen sind 20–22 mm groß, Arbeiterinnen 12–16 mm. Drohnen tragen zusätzlich eine gelbe Gesichts- und Halsbehaarung. Die häufigste Verwechslung ist die Wiesenhummel — die ist kleiner und hat ein gelbes Brustband.
Wann erscheint die Steinhummelkönigin zum ersten Mal?
Königinnen fliegen ab Mitte März, sobald Tagesmaxima 10 °C überschreiten und Krokus oder Schneeglöckchen blühen. Sie sind in den ersten Wochen die einzigen sichtbaren Steinhummeln — Arbeiterinnen folgen erst ab Mai.
Brüht die Steinhummel auf dem Balkon?
Direkte Balkonnester sind selten, kommen aber in unteren Etagen (1.–3. Stock) und auf Dachterrassen vor. Sie nistet oberflächennah — unter losen Steinen, in Mauerritzen, hinter Holzverkleidungen oder in Blumenkästen mit dichtem Moospolster. Häufiger ist sie als Sammlerin aus dem Umfeld zu Gast.
Warum ist der Spätsommer für Steinhummeln so wichtig?
Steinhummel-Kolonien produzieren Jungköniginnen erst im August und September — deutlich später als die meisten anderen Hummelarten. Diese Jungköniginnen müssen sich vor der Überwinterung Fettreserven anfressen. Ohne Nektarpflanzen im August/September verhungern viele, bevor sie das Winterquartier erreichen.
Welche Pflanzen ziehen die Steinhummel am verlässlichsten an?
Lavendel und Natternkopf sind die beiden Spitzenreiter im Sommer — beide robust, sonnenliebend und lang blühend. Im Spätsommer ergänzen Acker-Witwenblume, Distel und Herbst-Astern; im Frühjahr decken Krokus und Weidenkätzchen den Bedarf der Königin.