Der Balkon dreht sich & nichts bleibt gleich.
Ein Kalender ist kein Gesetz — aber eine gute Erinnerung. Wann wird gesät, wann gestutzt, wann einfach zugeschaut? Zwölf Monate, vier Jahreszeiten, mit Fristen, Blüten und Gästen.
Vier Kreise, zwölf Abschnitte, ein Rhythmus.
Der Balkon folgt dem Jahr. Im Frühling sät man, im Sommer beobachtet man, im Herbst erntet man, im Winter lässt man in Ruhe. Das klingt banal — ist aber die ganze Wahrheit.
Dieses Kalendarium ist eine Einladung, nicht eine Checkliste. Wenn der April kalt ist, verschiebt sich alles zwei Wochen. Wenn der September heiß bleibt, hast du eine zweite Erdbeere.
Vom Krokus bis zum Rotkehlchen — einmal durch.
Vier Jahreszeiten, zwölf Monate, ein Balkon. Was wann gesät wird, wann beobachtet, wann liegen gelassen — als kleines Video, in einer Minute und ein bisschen.
Frühling
- Tomaten, Paprika, Chili
- Basilikum, Oregano
- Tagetes, Kapuzinerkresse
- Radieschen, Spinat, Pflücksalat
- Stauden umtopfen
- Erdbeeren, Salate, Kräuter
- Mangold, Mairübchen
- Vorgezogene Sommerblumen
- Eisheilige (11.–15. Mai) noch abwarten
- Tomaten, Zucchini, Gurken raus
- Sommerblüher pflanzen
- Düngen alle 2 Wochen
Die Eisheiligen sind keine Legende.
Vom 11. bis 15. Mai kann in Mitteleuropa noch einmal Bodenfrost auftreten. Wer empfindliche Sommerpflanzen (Tomaten, Basilikum, Zinnien) vorher rauspflanzt, setzt sie einem unnötigen Risiko aus. Ein bisschen Geduld — und der ganze Sommer entscheidet sich.
Sommer
- Ausgeizen bei Tomaten
- Erdbeeren nachpflanzen
- Flüssigdünger alle 14 Tage
- Salate, erste Radieschen
- Erdbeeren — jetzt!
- Schatten für empfindliche Blätter
- Mulchschicht erneuern
- Tränken täglich füllen
- Tomaten, Gurken, Paprika
- Kräuter trocknen
- Samen sammeln von Ringelblumen, Kapuzinerkresse
- Zweite Salat-Aussaat
- Spätsommer-Gründüngung
Im Juli gilt das 20-Minuten-Gesetz.
Setz dich an heißen Tagen für zwanzig Minuten ohne Handy auf deinen Balkon — morgens am besten. In dieser Zeit siehst du mehr Insekten, Vögel und Vorgänge, als du mit jeder Gartensendung im Fernsehen vermittelt bekommst. Beobachten ist die einzige Pflege, die nichts kostet.
Herbst
- Zwiebelblumen stecken (Krokus, Narzisse, Tulpe)
- Zweijährige säen (Bartnelke, Stockrose)
- Gründüngung aussäen
- Letzte Tomaten, Paprika
- Äpfel, Mirabellen aus Kübeln
- Mehrjährige Kräuter zurückschneiden
- Kübel an Hauswand stellen
- Laub liegen lassen — überall!
- Töpfe mit Jute umwickeln
- Empfindliches rein oder in Kellerraum
- Meisenknödel erst Ende Nov. aufhängen
- Keine hohlen Stängel abschneiden — Nistplätze!
Unordnung ist Biodiversität.
Der größte Gefallen, den du der Natur im Herbst tun kannst, ist: nichts. Laubhaufen sind Winterquartiere für Igel und Marienkäfer. Hohle Stängel sind Brutröhren für Mauerbienen. Ein aufgeräumter Balkon ist ein Balkon ohne Besuch im nächsten März.
Winter
- Vogelfutter aufstellen
- Frostsichere Wasserschale
- Samen für 2027 planen
- Samenkataloge bestellen
- Alte Töpfe reinigen
- Werkzeug schärfen
- Paprika, Chili, Aubergine frühestens
- Tomaten Ende Februar
- Balkonboden Frühjahrsputz
Auch im Winter wird gegossen.
Pflanzen in Töpfen frieren nicht wegen der Kälte ein — sie verdursten, weil der gefrorene Boden kein Wasser freigibt. An frostfreien Tagen, mittags: ein kleiner Schluck für jeden Kübel. Und die Vogel-Wasserschale nicht vergessen. Trinken ist im Januar das knappste Gut in der Stadt.