Pflanzenporträt · Pulmonaria officinalis

Lungenkraut & dein Balkon

Halbschatten-Frühblüher mit rosa-blauem Farbwechsel, März bis Mai. Wichtig für die Frühlings-Pelzbiene Anthophora plumipes. Nordbalkon-tauglich.

'Lungenkraut' ('Pulmonaria officinalis') — Illustration im Pflanzenatlas-Stil.

Blühkalender · PflanzprofilLungenkraut
Blütezeit
  1. Jan
  2. Feb
  3. Mär
  4. Apr
  5. Mai
  6. Jun
  7. Jul
  8. Aug
  9. Sep
  10. Okt
  11. Nov
  12. Dez

März – Mai, rosa → violett → blau

Standort
Halbschatten
Höhe
20–30 cm
Bienenwert
★★★★★5/5
Pflege
Im Sommer mulchen, nicht austrocknen lassen, nach Blüte Stängel zurückschneiden
  • Winterhart
StandortHalbschatten
Höhe20–30 cm
Blüte / ErnteMärz – Mai, rosa → violett → blau
PflegeIm Sommer mulchen, nicht austrocknen lassen, nach Blüte Stängel zurückschneiden
WinterhartJa
EssbarNein
Bienenwert★★★★★ (5/5)
TagsHalbschattenHeimischWildbieneMehrjährigFrühblüher

Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) ist eine der wenigen Stauden, die einen Nordbalkon im April in voller Blüte stehen sieht — und eine der pollenertragsreichsten Frühjahrsquellen für die Frühlings-Pelzbiene. Die Blüten wechseln im Verblühen die Farbe von rosa zu blau, was nicht nur dekorativ ist, sondern ein präzises Signal an Bestäuber.

Steckbrief: Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)

MerkmalWert
Wissenschaftlicher NamePulmonaria officinalis
FamilieBoraginaceae (Raublattgewächse)
BlütezeitMärz – Mai, rosa → violett → blau
Höhe20–30 cm
StandortHalbschatten (Nordbalkon-tauglich)
WasserbedarfMittel bis hoch — keine Trockenheit
WinterhartJa, bis –20 °C
InsektenwertSehr hoch — Frühblüher für Pelzbienen und Hummelköniginnen

Botanischer Steckbrief

Pulmonaria officinalis — das Gewöhnliche Lungenkraut — gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae), zur selben Familie wie Borretsch und Natternkopf. Heimisch in Mitteleuropa, in lichten Laub- und Mischwäldern bis 1.500 m Höhe, oft an Waldrändern und in krautreichen Buchen-Eichen-Beständen.

Gattungsname Pulmonaria vom lateinischen pulmo (Lunge) — die weiß gefleckten Blätter erinnerten in der mittelalterlichen Signaturenlehre an eine erkrankte Lunge, woraus die Heilmittel-Hypothese abgeleitet wurde. Wissenschaftlich bestätigt sich diese Verwendung nicht; P. officinalis enthält Pyrrolizidin-Alkaloide in geringer Konzentration und ist heute nicht mehr in Empfehlungen für Heilkräuterküche zu finden.

Wuchsform: kniehohe Staude, 20 bis 30 cm, mit grundständiger Rosette aus rauhaarigen, oval-länglichen Blättern, die markant weiß-silbrig gefleckt sind. Die Blütenstängel erheben sich im März, mit gabelförmig verzweigten Wickeln aus glockenförmigen Blüten.

Der Farbwechsel: rosa heißt »kommt her«

Die wichtigste Eigenheit von Pulmonaria: Die Blüten wechseln im Lauf ihrer Lebensdauer die Farbe. Frisch geöffnete Blüten sind rosa bis pink. Mit zunehmendem Alter und nach Bestäubung verfärben sie sich über violett zu tiefblau.

Das Signal ist gerichtet:

  • Rosa = noch nicht bestäubt, voll Nektar und Pollen, Anflug lohnt
  • Blau = bereits besucht, geringerer Ertrag

Hummeln und Pelzbienen lernen diese Farbsignale und steuern bevorzugt die rosa Blüten an — eine Effizienzoptimierung für beide Seiten. Die Pflanze spart Energie, weil Bestäuber gezielt zu den unbefruchteten Blüten geleitet werden; die Bestäuber sparen Zeit, weil sie keine leeren Blüten anfliegen müssen.

Der biochemische Grund: Anthocyane (rote Farbstoffe) wandeln sich im alkalischer werdenden Zellsaft zu blauen Pigmenten. Ein pH-Indikator in Pflanzenform.

Ökologischer Wert: die Pelzbienen-Pflanze

Pulmonaria ist eine der wichtigsten heimischen Pollenquellen für die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) — eine pelzige, hummelähnliche Wildbiene, die von März bis Mai fliegt. Die Weibchen sammeln Pollen an Lungenkraut, Lerchensporn (Corydalis) und Lippenblütlern. Das Männchen ist auffallend: schwarz mit hellen Beinfransen und cremefarbenem Gesicht.

Weitere Bestäuber:

  • Gartenhummel (Bombus hortorum) — eine der wenigen Hummelarten mit ausreichend langem Rüssel (1,5 bis 2 cm), um den tiefen Nektar zu erreichen
  • Wiesenhummel (Bombus pratorum) — früh fliegend, Rüssel kürzer, sticht den Nektar oft von außen an (»Nektarraub« am Blütengrund)
  • Frühe Sandbiene (Andrena praecox) — gelegentlicher Gast
  • Mauerbienen (Osmia bicornis) — wenn das Männchen schon fliegt, gelegentlich auf Lungenkraut

Die Blütezeit März bis Mai überlappt mit Krokus am Anfang und mit Lerchensporn, Wiesensalbei und Borretsch am Ende — gemeinsam decken diese Pflanzen den kritischen Frühjahrszeitraum ab.

Standort: der Nordbalkon-Star

Lungenkraut ist eine der wertvollsten Pflanzen für schattige und halbschattige Balkone, weil hier sonst kaum Frühblüher gedeihen. Drei Stunden Morgensonne reichen aus, Nachmittagssonne wird vertragen, wenn das Substrat feucht bleibt.

StandortEignung
Nord-Balkonideal
Ost-Balkonideal, Morgensonne wärmt für Bestäuber
West-Balkongut, abends keine direkte Sonne mehr
Süd-Balkonnur unter Beschattung durch höhere Pflanzen

Pulmonaria verträgt keine Trockenheit. Wer auf einem Süd-Balkon pflanzt, muss konsequent gießen und das Substrat mulchen.

Substrat und Pflege

Das Lungenkraut mag, was es im Wald hat:

  • 60 % torffreie Erde
  • 20 % reifer Kompost oder Laubhumus
  • 20 % Sand für Drainage
  • pH leicht sauer bis neutral (5,5 bis 7)

Topfgröße: mindestens 25 cm tief und 25 cm Durchmesser. Pulmonaria bildet ein flaches, aber dichtes Wurzelwerk. Im flachen Balkonkasten verträgt sie keine Trockenheit, im großen Topf entwickelt sie sich konstant.

Pflege im Jahreslauf:

  • März – Mai: Blütezeit, einmal mit verdünntem Brennnesselsud düngen oder gar nicht
  • Juni: Blütenstängel bodennah zurückschneiden, Mulchschicht aus Rindenhumus (2 cm) auflegen
  • Juli – August: gleichmäßig feucht halten, bei Hitze morgens und abends gießen
  • September – Oktober: Laub stehen lassen
  • November – Februar: Frosthart, kein Schutz nötig

Sorten und Verwandte

Im Handel sind diverse Pulmonaria-Sorten und Arten:

  • Pulmonaria officinalis — die heimische Wildart, beste Wahl für Ökologie
  • Pulmonaria saccharata — »Bethlehemsalbei«, Blätter stärker silbrig, aus Italien
  • »Sissinghurst White« — weiße Blüten, hübsch, aber Farbwechsel-Signal entfällt
  • »Trevi Fountain« — kobaltblaue Blüten, Hybride
  • »Raspberry Splash« — pinkfarbene Blüten

Für Wildbienen ist die einfache P. officinalis die ehrlichste Wahl. Die Sorten und Hybriden sind hübsch, haben aber teils veränderte Blütenmorphologie oder weniger Nektar. Wer den Farbwechsel beobachten will, braucht ohnehin die Wildform.

Probleme und Lösungen

Echter Mehltau auf den Blättern im Hochsommer: häufig bei Pulmonaria nach Trockenstress. Befallene Blätter abschneiden, Pflanze kräftig wässern, mulchen. Im Folgejahr feuchter halten.

Schneckenfraß am Frühjahrslaub: gelegentlich. Junge Triebe sind weich und attraktiv. Schneckenschutz mit Sägespänen oder Kupferband am Topfrand wirkt.

Selbstaussaat: Pulmonaria sät sich gern aus. Wer das nicht will, schneidet die Blütenstände vor der Samenreife zurück. Wer Vermehrung mag, lässt die Stängel stehen und sammelt im Juli die Samen — Aussaat direkt im Topf, leicht andrücken (Lichtkeimer).

Substrat & Bewässerung für Halbschatten-Frühblüher

Lungenkraut braucht humosen, konstant feuchten Boden — auf dem Nordbalkon, wo Regen nicht alle Töpfe erreicht, sind die richtigen Hilfsmittel entscheidend.

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Häufige Fragen

Blüht Lungenkraut wirklich im März?

Ja, in milden Lagen schon Anfang März. In normalen Jahren ab Mitte März, Hauptblüte Ende März bis Ende April, Nachblüte bis Mitte Mai möglich.

Kann ich Lungenkraut mit Schneeglöckchen kombinieren?

Sehr gut. Schneeglöckchen blühen Februar bis Anfang März, dann übernimmt das Lungenkraut. Beide bevorzugen halbschattige, humose Standorte. Im selben Topf möglich.

Sind die Blüten essbar?

Nein, Pulmonaria officinalis ist wegen der Pyrrolizidin-Alkaloide nicht für die Küche zu empfehlen, auch wenn alte Kräuterbücher anderes sagen.

Warum welkt mein Lungenkraut im Sommer schlagartig?

Trockenstress. Pulmonaria zieht bei Wassermangel das Laub schlagartig zurück — eine Schutzreaktion. Nach kräftigem Wässern und Beschattung treibt es meist innerhalb von zwei Wochen neu aus. Beim nächsten Mal früher gießen.

Welche Hummel bestäubt Lungenkraut am besten?

Die Gartenhummel (Bombus hortorum) — eine der wenigen mit so langem Rüssel, dass sie den tiefen Nektar in der schlanken Blütenröhre erreicht. Andere Hummeln stechen den Nektar oft von außen an, was als »Nektarraub« bezeichnet wird, weil dabei keine Bestäubung erfolgt.


Lungenkraut-Verwechslung — was ähnelt der Pflanze?

Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) lässt sich mit anderen Pulmonaria-Arten und mit dem Borretsch (Borago officinalis) verwechseln.

Unterschiede zu anderen Pulmonaria-Arten:

ArtBlattzeichnungBlüteVerwechslungsrisiko
P. officinalis (heimisch)Weiß gefleckt, unregelmäßigRosa → blau
P. saccharataStark silbrig-weiß, fast ganz überdecktRosa → violettHoch — ähnliches Muster
P. mollisKaum oder keine Flecken, weich behaartRosa → blauMittel — fehlende Flecken
P. longifoliaSchmal-lang, auffällig weiß gepunktetTiefblauNiedrig — auffälligere Blätter

Verwechslung mit Borretsch (Borago officinalis):

  • Beide: rauhaarig, blaue Blüten, Raublattgewächse (Boraginaceae)
  • Unterschied: Borretsch hat sternförmige, flach geöffnete Blüten mit auffälligen schwarzen Staubbeuteln. Lungenkraut hat glockige, röhrenförmige Blüten. Borretsch wird zudem deutlich größer (60–80 cm) und ist einjährig; Lungenkraut bleibt niedrig und ist mehrjährig.
  • Im Frühjahr: Borretsch treibt erst ab April aus, Lungenkraut blüht bereits im März — zeitliche Trennung erleichtert die Bestimmung.