Anleitung

Eine Untertasse, Kieselsteine, und dann: Bienen.

Was passiert, wenn man eine Schale mit Wasser und Steinen nach draußen stellt — und plötzlich anfängt zu beobachten, wer kommt.

Flache Tonschale mit Steinen als Wildbienen-Tränke.

Ich war skeptisch. Nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber Tränken — sondern gegenüber der Einfachheit. Eine Untertasse, Kieselsteine, Wasser. Das klingt nach dem, was man jemandem sagt, der eigentlich etwas tun will, aber nichts tun soll.

Dann habe ich es gemacht, und die Bienen kamen schneller als ich gedacht hatte.

Der erste Versuch

Es war ein Mittwoch im späten April, mittags, warm. Ich hatte die Untertasse von einer alten Blumenampel genommen — flach, cremeweiß, etwa fünfzehn Zentimeter Durchmesser. Kieselsteine aus dem Baumarkt, ein gutes Glas Wasser, und dann draußen auf die Betonbrüstung gestellt.

Ich hatte keine Erwartungen für diesen Tag. Ich erwartete, in drei Wochen vielleicht etwas zu sehen.

Nach anderthalb Stunden saß eine Biene am Rand eines Steins.

Ich dachte zuerst, sie sei einfach durchgekommen und raste kurz. Aber sie war still. Trank. Bewegte den Körper in einem kleinen Rhythmus, der aussah wie Pumpen. Dann war sie weg, und fünf Minuten später saßen zwei auf verschiedenen Steinen.

Was da eigentlich passiert

Bienen brauchen Wasser — das ist bekannt, aber der Bedarf wird gern unterschätzt. In einem Wildbienenvolk sammeln spezialisierte Sammlerinnen Wasser für die Klimatisierung des Stocks; solitäre Mauerbienen und Sandbienen brauchen Wasser zum Verdünnen des Nektars und für ihren eigenen Stoffwechsel, besonders an heißen Tagen.

Das Problem ist nicht der Wunsch, sondern das Angebot. In einer Stadt mit befestigten Oberflächen gibt es im Sommer wenig Stellen, wo stehendes Wasser erreichbar und gleichzeitig sicher ist. Ein flacher Tümpel, der aufgewühlt wird, ertränkt Bienen. Sie brauchen Halt — einen Stein, einen Zweig, eine Kante.

Die Kieselsteine lösen genau das. Sie ragen aus dem Wasser heraus und bieten Landeflächen. Eine Biene, die trinken will, braucht keinen Sprung ins Unbekannte; sie landet auf einem Stein und beugt sich zur Wasseroberfläche hinunter.

Was ich beobachtet habe

Über mehrere Wochen habe ich morgens und abends geschaut — nicht systematisch, aber regelmäßig. Ein paar Dinge sind mir aufgefallen:

Morgens, zwischen neun und elf Uhr, war am meisten los. Nachmittags weniger, aber das Wasser war nachmittags auch wärmer und teilweise schon verdunstet. Ich habe gelernt: morgens auffüllen, frisches kühles Wasser, und die Aktivität ist höher.

Die Rote Mauerbiene war die häufigste Besucherin. Aber auch kleinere Arten kamen — ich konnte sie nicht immer bestimmen, aber sie waren da.

Einmal, an einem heißen Julitag, saßen gleichzeitig sieben Tiere an der Schale. Nicht aus demselben Volk, denn diese Arten sind solitär. Es war ein zufälliges Zusammentreffen von Tieren, die alle denselben Bedarf hatten und dieselbe Adresse gefunden hatten.

Die Bienenweide in der Nähe

Es ist kein Zufall, dass die Tränke am besten funktioniert, wenn sie in der Nähe von Blühpflanzen steht. Bienen trinken häufiger, wenn sie aktiv Pollen und Nektar sammeln — der Kreislauf von Sammeln und Verdauen ist energieintensiv, und Wasser ist ein Teil davon.

Ich habe die Schale neben den Thymian gestellt. Das war intuitiv, nicht geplant. Rückblickend war es genau richtig. Wer die Anleitung für die Tränke liest, findet die genauen Empfehlungen für Platzierung und Wasserwechsel; hier interessiert mich das Beobachtungsprotokoll.

Das Algen-Problem

Ende Mai wurde das Wasser grünlich. Algen, kein Toxin, aber nicht schön — und ich war unsicher, ob das für die Bienen ein Problem war.

Ich habe recherchiert. Bienen meiden algentrübes Wasser nicht grundsätzlich; tatsächlich zeigen Studien, dass manche Bienenarten leicht organisches Wasser bevorzugen, weil es Mineralien enthält. Trotzdem habe ich die Schale alle zwei, drei Tage ausgespült. Nicht täglich — das wäre übertrieben — aber regelmäßig genug, dass das Wasser klar blieb.

Das Reinigen dauert etwa zwanzig Sekunden. Kieselsteine kurz abspülen, Schale auswischen, neu befüllen. Das ist der einzige Aufwand, und er ist gering.

Der Sommer ohne Tränke

Im August war ich zwei Wochen weg. Ich hatte vergessen, die Tränke abzuräumen — sie stand leer auf dem Balkon, das letzte Wasser längst verdunstet, die Steine trocken in der leeren Schale.

Als ich zurückkam, sah ich eine Biene, die auf einem der trockenen Kieselsteine saß und offensichtlich suchte. Sie flog ab, kam wieder, flog ab.

Ich habe sofort Wasser eingeschüttet. Das ist keine sentimental aufgeladene Szene — sie ist es wert, erzählt zu werden, weil sie zeigt, wie ein Tier sich eine Infrastruktur merkt. Die Schale war als Ort noch bekannt; nur der Inhalt fehlte.

Das hat mich dazu gebracht, die Tränke seitdem nicht mehr austrocknen zu lassen.


Es ist das kleinste Projekt, das ich je auf dem Balkon angefangen habe. Und es ist das, worüber ich am meisten geredet habe — weil die Frage, ob jemand die Schale braucht, so schnell beantwortet wurde, dass ich keine Zeit hatte, skeptisch zu bleiben.

Eine Untertasse. Kieselsteine. Wasser.

Und dann Bienen.