Porträt

Marions Balkon in Hamburg: Sechs Quadratmeter für alle.

Marion aus Hamburg-Altona: Wie aus einem Geranienbalkon ein Wildbienen-Refugium in der fünften Etage wurde — und was eine Steinhummel damit zu tun hat.

Bepflanzter Stadtbalkon in Hamburg mit wildbienenfreundlicher Bepflanzung.

Fünftes Stockwerk, Altona. Die Klingel funktioniert, aber Marion öffnet schon, bevor ich klingele — sie hat mich vom Balkon aus kommen sehen.

„Ich warte eigentlich nicht auf Sie", sagt sie. „Ich passe auf die Nisthilfe auf."

Die Nisthilfe hängt links vom Fenster, ein dicht gepacktes Bündel Bambusröhren in verschiedenen Durchmessern, das sie selbst gebunden hat. Seit heute Morgen, sagt Marion, kommt eine Mauerbiene in die mittlere Reihe — Röhre, vier Millimeter Durchmesser, dritter Platz von links. Sie hat es vermerkt.

Sechs Quadratmeter, Westnord-West

Der Balkon ist klein und vollständig bepflanzt. Kleiner 6-qm-Grundriss, Westnord-West-Lage, fünfte Etage — kein idealer Standort für Sonnenanbeter, aber Marion hat sich damit arrangiert.

„Ich habe zwölf Jahre gebraucht, um zu akzeptieren, dass hier keine Tomaten gedeihen", sagt sie. „Danach wurde es besser."

Was jetzt dort steht: Lavendel — drei Töpfe, je zwölf Liter, die seit sieben Jahren nicht geteert wurden und jedes Jahr dichter blühen. Phacelia in zwei Aussaatschalen, neu jedes Frühjahr, „weil die Bienen das mögen und ich das Blau". Borretsch, der sich seit drei Jahren selbst aussät und gelegentlich an Stellen auftaucht, die Marion gar nicht geplant hat. Ein Topf Thymian, der gerade nicht blüht, aber bald wird. Und ganz am Ende, im Halbschatten unter dem Überstand: ein flacher Behälter mit Sand, feucht von heute Morgen.

„Den Sand haben mir die Wildbienen beigebracht", sagt sie. „Ich hatte den gelesen, dass Sandbienen... aber dann habe ich ihn einfach hingestellt. Im zweiten Jahr kamen sie."

Die Umstellung

Begonnen hat Marion mit Geranien. Pelargonien, um genau zu sein — die Klassiker, rot, gefüllt, ordentlich. „Wie alle", sagt sie, ohne Wertung. Das war 2007. Hamburg-Altona, fünfter Stock, Westbalkon. Geranien.

Den Umbruch beschreibt sie mit einem Satz: „Ich habe einmal in drei Wochen keine einzige Biene gesehen. Das hat mich beschäftigt."

Es war kein dramatisches Erweckungserlebnis. Kein Artikel, keine Studie, kein Moment der Erkenntnis. Nur: keine Biene, drei Wochen, und eine Frage danach. Sie hat im Herbst einen Teil der Geranien nicht wieder gekauft. Stattdessen Lavendel.

Im folgenden Sommer: Hummeln.

Was sie jetzt beobachtet

Ich sitze auf einem Klappstuhl am Rand des Balkons, Marion lehnt an der Tür. Wir reden zwanzig Minuten, in denen vier verschiedene Tier-Besuche stattfinden.

Zuerst: eine Steinhummel (Bombus lapidarius), erkennbar am roten Hinterteil, die den Lavendel von links nach rechts abfliegt — methodisch, ohne Eile. Marion sagt nichts, deutet nur kurz.

Dann: eine kleinere Biene, die die Bambusröhren prüft. Nicht die mittlere Reihe — eine andere. Sie dreht mehrmals um die Nisthilfe, landet kurz, fliegt ab. „Die überlegt noch", sagt Marion.

Ein Schmetterling — Kleiner Fuchs, nehme ich an — landet auf dem Borretsch und faltet die Flügel.

Und irgendwann, kurz bevor ich gehe: eine Biene, die ich nicht kenne. Breit, pelzig, langsam. Sie nimmt sich Zeit an einer einzelnen Lavendelrispe. Marion schaut zu. „Die kenne ich auch nicht", sagt sie. „Aber sie kommt seit zwei Jahren."

Den Balkon loslassen

Ich frage, was sie an ihrem Balkon-Ansatz anders macht als früher.

„Ich versuche, weniger zu entscheiden", sagt sie. „Früher habe ich geschaut, ob der Balkon ordentlich aussieht. Jetzt schaue ich, ob jemand da ist."

Das Borretsch-Selbstaussaat-Problem — dass Borretsch wächst, wo er will — findet sie inzwischen angenehm. „Er wählt die Stelle, nicht ich. Meistens wählt er gut."

Was sie als nächstes plant: eine zweite Nisthilfe, diesmal mit größeren Röhren, für Holzbienen. Und vielleicht, wenn der Thymian im Herbst zurückgeschnitten wird, die Stängel nicht ganz entfernen — stehenlassen, sehen, was kommt.

Sie winkt, als ich die Treppe hinuntergehe.

Hinter mir: Wildbienen, eine Bambusröhre, drei Lavendeltöpfe. Und Marion, die auf nichts wartet und alles beobachtet.


Marion wurde im Juni 2025 besucht. Die Anleitung für Bambus-Niströhren entstand aus diesem Gespräch.